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Ein Windpark für Dinkelscherben?

Vorteile und Nachteile der Windkrafttechnologie

In der Diskussion steht der Bau von 10 Windrädern im Wald bei Ettelried. Die Firma Juwi AG möchte dort Windkraftanlagen mit einer Höhe von 250 Metern erbauen, damit die Stromerzeugung wirtschaftlich ist. Die in Bayern geltende 10 H-Regelung für den Mindestabstand könnte nur bei den mittleren beiden Windrädern eingehalten werden, die einen Abstand von mehr als 2,5 km zur nächstgelegenen Ortschaft hätten, an anderen Stellen würde der Abstand nur etwa 2 km betragen.
In den kommenden Wochen werden wir immer wieder auf dieses Thema zurückkommen und Informationen recherchieren.
Bedenken seitens der Bürger sind vor allem gesundheitlicher Art, dass der erzeugte Infraschall im Körper Stressreaktionen auslösen könnte, aber auch hinsichtlich des Artenschutzes (eine Untersuchung von Juwi diesbezüglich ist bereits am Laufen), der Rodung der Bäume (ca. 20 Hektar, davon 5 Hektar dauerhaft, wiederaufgeforstet wird jedoch möglichst ortsnah mit klimaverträglicheren Arten), des Hörschalles von maximal 35 Dezibel in Ettelried und der Effizienz der Anlagen. Manche zweifeln auch an einer insgesamt positiven ökologischen Bilanz der Windräder. Diesen Fragen möchten wir nachgehen.
Hier die Online-Präsentation des geplanten Windparkes der Firma Juwi:
https://windpark.juwi.de/windpark-ettelried

Leistung

Jedes Windrad des Typs Siemens Gamesa hätte eine Leistung von 6,2 Megawatt. Bei 10 Windkraftanlagen wäre dies eine jährliche maximale Gesamtleistung von 62 MW.
Wenn man die von der Firma Juwi für den Windpark angegebene jährliche Stromproduktion von ca. 11 Mio. KWh je WEA hochrechnet, sind dies jährlich 110 Mio. KWh, womit ca. 31500 Haushalte á 3500 KWh Stromverbrauch versorgt werden können.
"Eine moderne Windkraftanlage mit etwa 3 MW elektrischer Leistung erzeugt jährlich soviel Strom, wie 2.000 Haushalte im Jahr benötigen. Gerechnet wurde mit einem Strombedarf von 3.500 kWh pro Haushalt." (Quelle www.igwindkraft.at)
Nach der Hochrechnung auf 31500 Haushalte käme man dabei auf eine Gesamtleistung des Windparks von ca. 47 MW.
Eines ist klar: Der Windpark würde damit Stand 2020 der leistungsfähigste im ganzen Freistaat sein (siehe Liste, Stand Ende 2019: ) .
Erst dieses Jahr im März hat Siemens Gamesa den ersten Auftrag für eine solche 170-Meter-Rotor-Windturbine mit 6,2 MW erhalten.

 

Voraussetzungen

Die wichtigste Voraussetzung für einen Windpark ist natürlich, dass genügend Wind weht. Um den Windpark effizient und wirtschaftlich betreiben zu können, sind laut der Firma Juwi Windräder mit einer Höhe von ca. 250 m nötig.

Eine interessante Karte hierfür findet man im Energie-Atlas Bayern: Dort kann man sich nicht nur sämtliche bestehende Anlagen für Solarenergie, Wasserkraft, Windenergie etc. anzeigen lassen, sondern auch das Potenzial für Anlagen. Bei den Windkraftanlagen erkennt man bei gewählter Anzeige der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit und des Ertrags, dass in Dinkelscherben selbst und etwas östlich davon ein bisschen geringere Windgeschwindigkeiten vorherrschen, während im Wald zwischen Dinkelscherben und Burtenbach die Werte etwas höher liegen.

Sehr gut messen kann man auf der Internetseite auch Entfernungen: So erkennt man mit dem "Strecken und Flächen Messen"-Werkzeug z.B. leicht, dass die durchschnittliche Entfernung (Luftlinie) des bereits bestehenden Windparks in Jettingen von Dinkelscherben etwa 8 km beträgt.

 

Geplanter Windpark als nächster Schritt zur energieneutralen Kommune. Wie weit soll er gehen?

Um die dringend nötige Energiewende voranzutreiben, benötigen wir auch mehr Windenergie. Leider deuten neue Studien darauf hin, dass Windenergie nicht ganz so klimafreundlich ist wie angenommen - Windräder tragen demnach auch zur lokalen Klimaerwärmung bei. Dennoch ist ihre Klimabilanz um einiges besser als die von Kohlekraftwerken, die dringend abgeschaltet werden müssen, damit wir unsere Atmosphäre nicht noch weiter aufheizen und unser Planet irgendwann beinahe unbewohnbar wird.

Also Windpark generell ja, ist jedoch Ettelried der richtige Standort dafür, und wie viele Windräder machen Sinn? Die Windräder müssen dort sehr hoch sein, um die nötige Windmenge abfangen zu können, der Windpark wird mitten in einem Waldgebiet sein, und zudem ist die Bevölkerung davon betroffen. Bei den geplanten zehn sehr hohen und leistungsstarken Windrädern kann die Wirkung auf die Einwohner vor allem Ettelrieds und Reichertsried bezüglich Schall, Optik und Infraschall nicht genau abgeschätzt werden. Der in Bayern vorgeschriebene 10 H-Abstand - Abweichungen davon sind erlaubt, wenn die Gemeinde es so beschließt - kann nur bei den mittleren 3-4 Windrädern eingehalten werden.

Der Bau der Windräder kann zusätzlich zu der bereits geplanten weiteren Photovoltaik-Anlage der nächste Schritt zur klimaneutralen Kommune sein. Die Dinkelscherbener Stromerzeugung über Biomasse, Solar und Wasserkraft betrug 2019 bereits über 24.000.000 kWh und überstieg damit sogar den Stromverbrauch von ca. 21.000.000 kWh (2018).

Da der Energieverbrauch einer Kommune jedoch nicht nur aus dem direkt verbrauchten Strom besteht, welcher nur ca. 20% des gesamten Endenergieverbrauchs ausmacht, ist auch der Verbrauch von Energie für Heizung und Warmwasser sowie für Kraftfahrzeuge für die Energieneutralität zu berücksichtigen.
Hochgerechnet müsste die Gemeinde etwa 100.000.000 kWh regenerativen Strom erzeugen, um zumindest theoretisch energieneutral zu sein. Denn der tatsächliche Ersatz von Benzin und Diesel, Öl, Gas und Holz durch erneuerbare Energien ist damit ja noch nicht geschehen.
Die 10 geplanten Windenergieanlagen würden insgesamt ca. 110.000.000 kWh Strom pro Jahr zeugen. Energieneutral in der Theorie wäre Dinkelscherben bereits mit nur 7 Windrädern zusätzlich zur vorhandenen regenerativen Stromerzeugung.

www.energieatlas.bayern.de/thema_energie/daten/endenergie.html




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